IronMan Hawaii 2009: Michi Weiss mit der drittbesten Radzeit

newsbild

Bei seiner Hawaiipremiere hatte sich Michi Weiss viel vorgenommen. Als ehemaliger Mountainbikeprofi ist die Basis des Erfolgs natürlich die Leistung auf dem Rad. Dass er auf dem Triathlonrad sehr gut zurechtkommt, hatte er bei seiner Qualifikation für die IronMan-Weltmeisterschaft im Frühjahr als Dritter des Monaco-Halfironman bewiesen.

Auf Hawaii konnte Michi seine bisherigen Leistungen als Triathlet bestätigen und finishte als 25ter in 8:55:54 h. Auf der Radstrecke war er der drittschnellste Athlet in 4:30:05 h hinter Chris Lieto (4:25:11h) und Maik Twelsiek (4:28:34 h). Seine Leistung auf dem Rad ist sehr hoch einzuschätzen, da er nicht bei den Ersten war, die aus dem Wasser kamen und sich auf den ersten Kilometern der Radstrecke zunächst "frei"fahren musste. Überholvorgänge kosten deutlich mehr Kraft, als wenn man direkt sein eigenes optimales Tempo fahren kann. Auch wenn Windschattenfahren nicht erlaubt ist, so hilft es, vor und hinter sich Athleten zu haben, die auf einem ähnlichen Leistungsniveau in die Pedale treten.

Wie schon bei den bisherigen SRM-Daten vom IronMan Hawaii möchten wir die Pacingstrategie genauer betrachten. Mit einer Durchschnittsleistung von 288 Watt erreichte er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 41 km/h. Vergleicht man die erste Hälfte der Radstrecke mit der zweiten, so wird allerdings ein nicht unerheblicher Leistungsabfall von fast 14% deutlich (von 308.9 auf 266.1 Watt). Dies ging mit einem Abfall der Trittfrequenz von 95 auf 90 U/min einher.

Foto auf IronMan Hawaii 2009

Allerdings wählte Michi eine deutlich offensivere Strategie für die Radstrecke, als die anderen Fahrer, deren Daten wir analysieren konnten. Das zeigt sich an der Steigung nach Hawi. Zu Beginn des Anstiegs erhöht er die Leistung deutlich über seine Durchschnittsleistung, die Trittfrequenz sinkt einige Male bei steigender Leistung deutlich ab, was darauf schließen lässt, dass er in diesen Passagen im Stehen versucht hat zu beschleunigen. Aufgrund dieser Fahrweise gewinnt er gegenüber Dirk Bockel in diesen 10,6 Kilometern 10 sec, auf Christian Müller etwa 1:15 Minuten und auf Max Renko fast 2 Minuten.

Foto auf IronMan Hawaii 2009

Noch besser lässt sich die Pacingstrategie in einer willkürlich ausgewählten, 10-minütigen, flacheren Passage erkennen: Immer dann, wenn die Strasse leicht ansteigt, erhöht Michi die Leistung, häufig wechselt er für kurze Zeit aus der Aeroposition in das stehende Fahren, um das Tempo zu halten oder zu beschleunigen. Über die Kuppen drückt er bewusst, um das Tempo möglichst in die kurzen Abfahrten mitzunehmen. Dort vermindert er die Leistung, um sich etwas zu erholen. So kommt ein eher wellenförmiger Verlauf der Leistungskurve zustande. Da die Geschwindigkeit in den Luftwiderstand im Quadrat eingeht, hat ein Forcieren der Leistung in langsameren Passagen einen größeren positiven Effekt auf die Geschwindigkeit und macht physikalisch auch Sinn. Physiologisch kann es dadurch aber zu schnelleren Ermüdungserscheinungen kommen, da man immer wieder bewusst den ökonomisch besten Leistungsbereich verlässt und vermehrt Sauerstoff zur Energiegewinnung benötigt. Ein erhöhter Kohlenhydratverbrauch und frühere Erschöpfung der Glykogenspeicher sind daher zu erwarten. Dies ist aber individuell unterschiedlich und lässt sich auch gezielt trainieren. Die Erfahrung, wo die Optima für die obere Leistungsgrenze und die beste "Erholungs"-leistung liegen, ist bei dieser Art der Tempogestaltung besonders wichtig.

Das Verlassen der Aeroposition in eine stehende Position hat aerodynamisch große Nachteile. Allerdings wird die Muskulatur kurzzeitig anders belastet und auch entlastet, was sich auf Dauer auch positiv durch geringere Ermüdung bemerkbar machen kann.

Foto auf IronMan Hawaii 2009

Entsprechend seiner offensiveren Fahrweise ist die Kurve der Leistungsverteilung in der statistischen Ansicht deutlich flacher, als bei den drei anderen Sportlern. Er orientiert sich bei der Leistungssteuerung nicht nur an der Wattangabe seines SRM-Systems, sondern auch am Streckenprofil und seinem Belastungsempfinden. Seine hohe Spitze in der Verteilungskurve der Trittfrequenzen bei 97 U/min zeigt seine guten motorischen Fähigkeiten.

Foto auf IronMan Hawaii 2009

Mit der Erfahrung, die er in diesem IronMan gesammelt hat und in weiteren Wettkämpfen sammeln wird sowie einer besseren Schwimmleistung ist Michi im nächsten Jahr ein Kandidat für die Top Ten auf Hawaii.

Maximalleistungen Michi Weiss:

10 sec 551 Watt
20 sec 530 Watt
1 min 446 Wat
4 min 362 Watt
20 min 335 Watt
60 min 315 Watt

Quelle: www.srm.de



Zurück





 >> Alle Termine anzeigen

© Michael Weiss, 2019
programmed by NYX | powered by bikeboard.at