"Michi ist ein Trainingstier!"

"Michi ist ein Trainingstier!"

Ein Name ist mit der Triathlon-Karriere von Michael Weiss untrennbar verbunden: Mario Huys.

Der 55-Jährige ist der Coach des erfolgreichsten und schnellsten Österreichers über die Langdistanz.

Er ist der Mann hinter den Trainingsplänen. Vor dem finalen Hawaii-Test bei der Challenge Walchsee, das für den in Tirol lebenden Belgier ein echtes „Heimrennen“ ist, spricht der Mastermind und Namensgeber von Mario Huys Coaching über sein Trainingskonzept, er beschreibt den Triathleten Michael Weiss und blickt voraus.

Nach Walchsee und auch schon ein bisschen nach Kailua-Kona, wo am 11. Oktober 2014 die Ironman World Championships stattfinden.


Mario, du bist schon seit vielen Jahren Michis Coach. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?

Mario Huys: Wir kommunizieren über Skype, Mail oder Telefon. Jeden Sonntag besprechen wir den Plan für die nächste Woche. Ich habe außerdem meine eigene Trainingsplattform. So können wir auch kurzfristig reagieren, wenn Michi zum Beispiel noch ein Wettkampf noch in den Beinen steckt. So gut kennt er seinen Körper.

Und zwischenmenschlich?

Wir haben eine sehr gute Harmonie, respektieren uns. Es hilft, dass wir beide sehr viel Erfahrung haben. Ich steuere und überwache das Training. Manchmal muss ich Michi bremsen, manchmal motivieren. Er stellt viele Fragen, auch wenn er grundsätzlich weiß, wie es geht und worauf es ankommt.

Wie würdest du den Athlet Michi Weiss beschreiben?

Ich habe Luc van Lierde trainiert, mit Yvonne van Vlerken und anderen Weltklasse-AthletInnen zusammengearbeitet. Aber keiner war und ist so professionell wie Michi. Er ist ein Trainingstier und ein Perfektionist. Das birgt natürlich auch gewisse Gefahren, denn es kann nicht immer alles gut laufen. Aber wenn er weiter seinen Weg geht und sich dabei selbst treu bleibt, macht es auch nichts, dass er den einen oder anderen nicht auf seiner Seite hat.

Kannst du uns kurz verraten, wie dein Trainingskonzept aussieht?

Eigentlich ist es ganz einfach: Gut trainieren, gut essen, gut schlafen. Wenn du in diesen drei Bereichen gut arbeitest, hast du keine Probleme. Ich vergleiche Sport gerne mit Mathematik. Wenn deine Rechnung nicht stimmt, hast du ein Minus. Und das bekommst du dann im Wettkampf präsentiert.

Welche Rechnungen habt ihr für die Saison 2014 angestellt?

Wir haben uns Zwischenziele gesteckt. Ironman Cozumel, Ironman Melbourne, die 70.3-Rennen in St. Pölten und St. George, das Heimrennen in Klagenfurt – und jetzt natürlich Hawaii. Dort soll er fit und in „best shape“ an der Startlinie stehen, um möglichst viele Punkte für 2015 zu sammeln.

Bevor wir über die Ironman World Championships sprechen noch ein kurzer Blick zurück: wie bewertest du den achten Platz in Klagenfurt?

Er war zu fokussiert auf den Wettkampf, aber nicht auf das Wesentliche. Es ist klar, dass beim Heimrennen die eine oder andere zusätzliche Ablenkung da ist. Aber in Cozumel und Melbourne hat man gesehen, was möglich ist, wenn er sich nicht ablenken lässt. Am Rad wollte er das Loch zufahren, war aber zu lange im roten Bereich. Da reichen schon 10 Watt zu viel für 10 Minuten. Am Ende hat er trotz Problemen beim Laufen gefinisht, was wichtig war. Auch wenn Michi sich natürlich mehr erwartet hat. Unter diesen Umständen hat er einen guten Job gemacht.

Am Wochenende bestreitet Michi mit der Challenge Walchsee sein letztes Rennen vor Hawaii. Was erwartest du dir für diesen finalen Test vor deiner Haustür?

Ich möchte ein solides Schwimmen sehen und am Rad soll er alles geben. Dann entscheiden wir, was im Laufen möglich und sinnvoll ist. Das Resultat ist zweitrangig, Michi hat Hawaii vor Augen und wird nicht ans Limit gehen. Denn auch ein Halbmarathon bringt eine gewisse Regenerationsphase mit sich, das darf man nicht vergessen.

Blicken wir in die Zukunft und ein bisschen in die Glaskugel. Was traust du Michi auf Hawaii zu?

Kurz gesagt: Alles! Wenn am Tag X alles passt, kann er Top-5 werden. Meine Top-Favoriten sind Sebastian Kienle, Jan Frodeno und Tyler Butterfield, aber es gehen 20 Leute an den Start, die Hawaii gewinnen können – und da gehört Michi definitiv dazu. Ich erwarte heuer einen „komischen“ Wettkampf. Und ich glaube, dass das Rennen in diesem Jahr schon beim Radfahren entschieden wird, was für Michi kein Nachteil wäre.

Mit den Schlüssen von Walchsee: was kann man im Fall der Fälle bis Hawaii noch machen?

Ein gewisses Feintuning ist sicher noch möglich. Vor allem geht es aber darum, den Level zu halten und es nicht zu übertreiben. Der Erfolg liegt sowieso im Winter vor der Saison. Außerdem ist es extrem wichtig, dass der erste Wettkampf sitzt. Da haben wir mit Cozumel einen super Grundstein gelegt.

Danke für das Gespräch!






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